Studie · Humanstudie (RCT)
Effect of nicotinamide riboside on airway inflammation in COPD: a randomized, placebo-controlled trial
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Zusammenfassung
Doppelblinde, placebokontrollierte randomisierte Studie zur Frage, ob die Auffüllung des NAD+-Speichers mit dem Vorläufer Nicotinamid-Ribosid (NR) die Atemwegsentzündung bei COPD dämpft. Hintergrund war die Hypothese der Autorengruppe, dass gestörte DNA-Reparatur und erschöpfte NAD+-Spiegel sowohl das Altern als auch die COPD-Pathologie mit antreiben. 40 ältere COPD-Betroffene erhielten 6 Wochen lang 2 g NR täglich oral oder Placebo, stratifiziert randomisiert nach COPD-Assessment-Test-Score.
Primärer Endpunkt war die Veränderung von Interleukin-8 (IL-8) im Sputum von Baseline bis Woche 6. Der geschätzte Behandlungsunterschied zwischen NR und Placebo betrug −52,6 % (p = 0,030); bei der Nachuntersuchung in Woche 12, also 6 Wochen nach Absetzen, lag der Unterschied bei −63,7 %. Der NAD+-Spiegel im Vollblut stieg unter NR um rund 71 µM und damit auf mehr als das Doppelte (p < 0,05), was die Bioverfügbarkeit der Dosis bestätigt.
Wichtige Nullbefunde: Das systemische Entzündungsmarker-Signal blieb aus – Plasma-IL-6 veränderte sich nicht signifikant. Klinische Endpunkte wie Lungenfunktion, Exazerbationen oder Symptomlast wurden bei dieser Stichprobengröße nicht als aussagekräftig geprüft. Explorativ zeigten sich unter NR eine Hochregulation von Genen der Genomstabilität und eine Verringerung epigenetischer Alterungsmarker, möglicherweise über reduzierte Zellseneszenz; diese Befunde sind hypothesengenerierend. Insgesamt traten 29 unerwünschte Ereignisse bei 26 Teilnehmenden auf, ohne Unterschied zwischen NR und Placebo und ohne schwerwiegende Ereignisse.
Kernergebnisse
Sehr kleine Stichprobe (n=40 COPD), die nur für einen Biomarker-Endpunkt und nicht für klinische Ergebnisse wie Lungenfunktion, Symptome oder Exazerbationen ausgelegt war; die Behandlungsdauer von nur 6 Wochen ist kurz für eine chronisch-progrediente Erkrankung. Die Autoren nennen selbst Schwierigkeiten bei der Gewinnung gepaarter Sputumproben (Datenverlust beim primären Endpunkt) sowie Einschränkungen durch die COVID-19-Pandemie. Die epigenetischen und transkriptomischen Befunde sind explorativ, ohne Korrektur für multiples Testen interpretierbar. Relevanter Interessenkonflikt: Elysium Health stellte NR und Placebo bereit und finanzierte die DNA-Methylierungsanalysen; zwei Autoren (Sampson, Dellinger) sind Angestellte von Elysium Health und halten Firmenanteile. Weitere Förderung durch das NNF Center for Basic Metabolic Research und die Lundbeck Foundation. Die Ergebnisse gelten für ältere Ex-Raucher mit COPD und niedriger Eosinophilenzahl und sind nicht auf gesunde Personen übertragbar.
Es ist einer der wenigen placebokontrollierten Belege, dass orales NR beim Menschen nicht nur den NAD+-Spiegel im Blut verdoppelt, sondern auch einen lokalen Entzündungsmarker senkt – allerdings in einer sehr kleinen Studie, an kranken älteren Personen und ohne Effekt auf systemische Entzündung (IL-6) oder klinische Endpunkte. Wer NAD+-Supplementierung erwägt, sollte das als frühen, herstellerfinanzierten Hinweis werten, nicht als Nachweis eines Nutzens bei Gesunden.