Studie · Humanstudie (RCT)
ReCLAIM-2: A Randomized Phase II Clinical Trial Evaluating Elamipretide in Age-related Macular Degeneration, Geographic Atrophy Growth, Visual Function, and Ellipsoid Zone Preservation
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Zusammenfassung
Die ReCLAIM-2-Studie war eine prospektive, randomisierte, placebokontrollierte, doppelt verblindete multizentrische Phase-II-Studie zu subkutan verabreichtem Elamipretid (SS-31), einem mitochondrial wirksamen Peptid, bei trockener altersbedingter Makuladegeneration mit nicht-zentraler geografischer Atrophie. 176 Patientinnen und Patienten ab 55 Jahren erhielten über 48 Wochen täglich 40 mg Elamipretid subkutan (n=117) oder Placebo (n=59). Primäre Endpunkte waren die Veränderung der Sehschärfe unter niedriger Beleuchtung (Low-Luminance BCVA) und die Fläche der geografischen Atrophie.
Die Studie verfehlte ihre primären Endpunkte: Weder bei der Sehschärfe unter niedriger Beleuchtung noch beim Wachstum der Atrophiefläche wurde ein statistisch signifikanter Unterschied zwischen Elamipretid und Placebo erreicht. In sekundären, bildgebungsbasierten Analysen der Ellipsoidzone (EZ) – einem OCT-Marker für die Integrität der Photorezeptoren – zeigte sich unter Elamipretid eine um 43 % geringere mittlere Progression des makulären Anteils mit vollständiger EZ-Abschwächung/-Verlust sowie eine um 47 % geringere Progression des Anteils mit partieller EZ-Degradation gegenüber Placebo. Zudem erreichten mehr Behandelte einen Sehschärfengewinn von mindestens 10 Buchstaben (14,6 % versus 2,1 %).
Die Verträglichkeit war insgesamt akzeptabel; häufigste Nebenwirkungen waren Reaktionen an der Injektionsstelle. Die Autoren schlussfolgern, dass Elamipretid mit einer Verlangsamung der EZ-Degradation als Surrogat für Photorezeptorschäden assoziiert war, und schlagen die EZ-Metrik als primären Endpunkt für die Phase-III-Entwicklung vor.
Kernergebnisse
Phase-II-Studie mit vergleichsweise kleiner Fallzahl (176 Patienten, unbalancierte Randomisierung mit nur 59 Placebo-Patienten) und kurzer Dauer von 48 Wochen für eine langsam progrediente Erkrankung. Die positiven Befunde betreffen ausschließlich sekundäre bzw. explorative Bildgebungsendpunkte (Ellipsoidzone), während beide primären Endpunkte verfehlt wurden – solche Post-hoc- bzw. Sekundäranalysen sind nicht multiplizitätskorrigiert und hypothesengenerierend, nicht beweisend. Die Ellipsoidzone ist ein Surrogatmarker; ein Nutzen für die tatsächliche Sehfunktion im Alltag ist damit nicht belegt. Die Studie wurde vom Hersteller Stealth BioTherapeutics finanziert, zwei Koautoren sind Firmenangehörige, und mehrere weitere Autoren geben Beraterhonorare der Industrie an.
Dies ist die bislang größte kontrollierte Humanstudie zu SS-31 (Elamipretid) und zeigt, dass eine tägliche subkutane Gabe von 40 mg über ein Jahr grundsätzlich verträglich ist, den klinisch primär definierten Nutzen bei trockener AMD jedoch nicht erreicht hat. Wer SS-31 in Erwägung zieht, sollte berücksichtigen, dass die Wirksamkeitsbelege bislang auf Surrogatmarkern beruhen und ein Nutzen ausserhalb der untersuchten Augenerkrankung durch diese Studie nicht gestützt wird.