Studie · Review / Meta-Analyse
The Effect of Nicotinamide Mononucleotide and Riboside on Skeletal Muscle Mass and Function: A Systematic Review and Meta-Analysis
Zusammenfassung vorhandener Arbeiten
Zusammenfassung
Die Arbeit fasst randomisierte, placebokontrollierte Studien zu den NAD+-Vorstufen Nicotinamid-Mononukleotid (NMN) und Nicotinamid-Ribosid (NR) zusammen und prüft, ob eine Supplementierung Muskelmasse und Muskelfunktion bei älteren Menschen erhält oder verbessert. Primäre gepoolte Endpunkte waren Skelettmuskelindex (SMI), Handgriffkraft (HGS) und Ganggeschwindigkeit; weitere Endpunkte (5-maliger Aufstehtest, SPPB, Timed-up-and-go, 6-Minuten-Gehstrecke, Bein- und Brustpresse bei 80 % 1RM, Oberschenkelmuskelmasse) wurden narrativ ausgewertet. Verwendet wurde ein Random-Effects-Modell.
Das Ergebnis ist durchgehend negativ beziehungsweise ein Nullbefund: NMN zeigte bei keinem der gepoolten Endpunkte einen signifikanten Vorteil gegenüber Placebo. Auch die narrative Synthese ergab keine Verbesserung von Kniestreckkraft, SPPB oder Oberschenkelmuskelmasse. Für NR war die Datenlage uneinheitlich: In einer Population mit peripherer arterieller Verschlusskrankheit war NR mit einer längeren 6-Minuten-Gehstrecke assoziiert, bei Personen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung dagegen mit schlechteren SPPB-Werten und einem langsameren 5-maligen Aufstehtest, also mit einem potenziell ungünstigen Effekt.
Die Autoren schließen, dass die derzeitige Evidenz eine NMN- oder NR-Supplementierung zum Erhalt von Muskelmasse und Muskelfunktion bei Erwachsenen mit einem Durchschnittsalter über 60 Jahren nicht stützt. Künftige Studien sollten Dosierung, ein etwaiges NAD+-Ausgangsdefizit sowie Kombinationsinterventionen (etwa mit Training oder Protein) untersuchen.
Kernergebnisse
Die Zahl der einschließbaren RCTs ist klein (je Endpunkt nur 2 bis 5 Studien), die Stichproben sind entsprechend begrenzt, sodass die Analysen für kleine bis moderate Effekte statistisch untermächtig sein dürften. Die eingeschlossenen Populationen sind heterogen (gesunde Ältere, periphere arterielle Verschlusskrankheit, leichte kognitive Beeinträchtigung), ebenso Dosierungen und Interventionsdauern, die im Abstract nicht standardisiert berichtet werden; für SMI lag mit I² = 63 % substanzielle Heterogenität vor. Die Ergebnisse zu NR beruhen auf einzelnen Studien in Spezialkollektiven und sind nicht gepoolt, also nur narrativ und wenig belastbar. Unklar bleibt zudem, ob die Teilnehmenden überhaupt ein NAD+-Defizit aufwiesen - ein möglicher Grund für ausbleibende Effekte. Die Autorengruppe ist akademisch (u. a. Liverpool, Southampton, Istanbul, Arkansas); Angaben zu Finanzierung und Interessenkonflikten sind dem Volltext zu entnehmen und wurden hier nicht geprüft.
Wer NMN oder NR primär zur Erhaltung von Muskelmasse, Kraft oder Gehfähigkeit im Alter einsetzen will, findet in der bisher besten zusammenfassenden Evidenz keine Unterstützung dafür - die Effekte sind durchweg nicht signifikant und teils sogar numerisch ungünstig. Mögliche andere NAD+-bezogene Effekte werden dadurch nicht widerlegt, aber die Muskel-Indikation gilt nach aktueller Datenlage als nicht belegt; Training und ausreichende Proteinzufuhr bleiben die etablierten Maßnahmen.