Studie · Humanstudie (RCT)
Appetite, eating attitudes, and eating behaviours during treatment with retatrutide in adults with type 2 diabetes: Results of a phase 2 study
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Zusammenfassung
Untersucht wurde, ob Retatrutid bei Erwachsenen mit Typ-2-Diabetes das selbstberichtete Appetitempfinden und das Essverhalten stärker verändert als Placebo oder der GLP-1-Agonist Dulaglutid. Grundlage sind präspezifizierte exploratorische Analysen einer Phase-2-Studie mit 275 Teilnehmenden, die einmal wöchentlich Placebo, Dulaglutid 1,5 mg oder Retatrutid in vier Dosisstufen (0,5; 4; 8; 12 mg) erhielten. Erfasst wurden Veränderungen gegenüber Studienbeginn auf der Appetit-Visuellen Analogskala (VAS) sowie im Eating Inventory (Skalen wahrgenommener Hunger, Disinhibition/Kontrollverlust beim Essen, kognitive Esskontrolle) nach 24 und 36 Wochen. Zusätzlich wurden post-hoc Korrelationen zwischen diesen Veränderungen und der Gewichtsabnahme berechnet.
Gegenüber Placebo berichteten Teilnehmende unter Retatrutid ab 4 mg nach 24 Wochen stärkere Rückgänge bei Gesamtappetit, Hunger und der erwarteten Nahrungsaufnahme (jeweils p < 0,05). Im Eating Inventory zeigten sich Verbesserungen bei wahrgenommenem Hunger und Disinhibition vor allem unter 8 mg und 12 mg zu Woche 24 und 36. Die kognitive Esskontrolle (Dietary Restraint) stieg gegenüber Placebo nur unter 12 mg und nur zu Woche 36 signifikant an.
Die Unterschiede gegenüber Dulaglutid waren dagegen inkonsistent, also kein durchgängiger Vorteil von Retatrutid gegenüber dem etablierten GLP-1-Agonisten in diesen Endpunkten. Die Zusammenhänge zwischen Appetit-/Essverhaltensänderungen und Gewichtsabnahme waren statistisch signifikant, aber nur schwach bis moderat ausgeprägt (r = 0,28 bis 0,36), was bedeutet, dass die Gewichtsabnahme nur zu einem kleinen Teil über das subjektiv berichtete Appetitempfinden erklärbar ist.
Kernergebnisse
Es handelt sich um exploratorische Zusatzanalysen einer Phase-2-Studie, nicht um primäre Wirksamkeitsendpunkte; die Fallzahl pro Dosisgruppe ist entsprechend klein und die multiplen Vergleiche erhöhen das Risiko von Zufallsbefunden. Alle Endpunkte beruhen auf Selbstauskunft (VAS, Eating Inventory) und nicht auf objektiv gemessener Nahrungsaufnahme; solche Angaben sind anfällig für Erwartungseffekte, zumal die Nebenwirkungen (Übelkeit) eine faktische Entblindung begünstigen können. Die Korrelationen sind rein assoziativ und erlauben keine Kausalaussage. Die Population umfasst ausschließlich Erwachsene mit Typ-2-Diabetes, die Übertragbarkeit auf Menschen ohne Diabetes ist offen. Die Studie wurde von Eli Lilly finanziert, mehrere Autoren sind Beschäftigte und Anteilseigner des Herstellers.
Die Daten stützen die Annahme, dass Retatrutid ab etwa 4 mg wöchentlich den subjektiven Appetit dämpft und die Neigung zum Kontrollverlust beim Essen verringert, wobei der Effekt dosisabhängig ist. Gleichzeitig zeigt die nur schwache Korrelation mit der Gewichtsabnahme, dass Appetitunterdrückung nicht der alleinige Mechanismus ist und die Ergebnisse gegenüber einem etablierten GLP-1-Agonisten nicht eindeutig überlegen ausfielen.