Übersicht/GHK-Cu/Studie

Studie · Humanstudie

Bewertung von Wirksamkeit und Sicherheit des ThriveCo Scar Fader Gels mit Scarcede™ bei der Behandlung von Hautnarben

Efficacy and Safety Assessment of ThriveCo Scar Fader Gel With Scarcede™ in the Treatment of Skin Scars

Humanstudie

Am Menschen, aber ohne RCT-Design

Autoren
Patel MN, Patel N, Merja A, Patnaik S, Maulekhi S
Jahr
2025
Journal
Cureus
Modell / Stichprobe
n=32 gesunde Frauen (18-60 Jahre, Durchschnittsalter 33,2 Jahre, alle asiatischer Herkunft) mit Aknenarben; 30 beendeten die Studie. Einarmige, offene, prospektive Interventionsstudie ohne Kontroll- oder Placebogruppe (CTRI/2024/01/061138, Indien).
Dosis im Versuch
Topisches Gel mit Kupfertripeptid-1 (GHK-Cu) in Kombination mit L-Carnitin-L-Tartrat, Alpha-Glucosyl-Hesperidin und Natriumhyaluronat; dünne Schicht zweimal täglich auf das Narbenareal einmassiert, über 45 Tage. Die GHK-Cu-Konzentration wird nicht angegeben.
Quelle
PMID 41001334 ↗  ·  DOI ↗

Zusammenfassung

Untersucht wurde ein kosmetisches Narbengel (ThriveCo Scar Fader Gel mit dem Wirkkomplex „Scarcede“), das Kupfertripeptid-1 (GHK-Cu) neben L-Carnitin-L-Tartrat, Alpha-Glucosyl-Hesperidin und Natriumhyaluronat enthält. 32 Frauen mit Aknenarben trugen das Gel 45 Tage lang zweimal täglich auf; Kontrollzeitpunkte waren Tag 1, Tag 21 und Tag 45. Primärer Endpunkt war die dermatologische Beurteilung des Narbenbildes mit der Manchester Scar Scale, sekundär wurden Hauttexturparameter (Glattheit, Rauheit, Schuppigkeit) mit dem Visioscan VC20Plus gemessen sowie digitale Fotografie und Verträglichkeit dokumentiert.

Der Manchester-Score sank im Mittel von 6,87 auf 5,03, entsprechend einer Verbesserung um 7,2 % an Tag 21 und 26,6 % an Tag 45 (p < 0,001 bzw. p < 0,0001). Die instrumentellen Texturparameter verbesserten sich ebenfalls statistisch signifikant: Glattheit +44,6 %, Schuppigkeit -58,9 % und Rauheit -161,6 % an Tag 45. Der Rauheitswert von über 100 % „Reduktion“ ist rechnerisch nicht plausibel und deutet auf eine fragwürdige Berechnung der prozentualen Änderung hin. Lokale oder systemische Nebenwirkungen wurden nicht berichtet.

Die Ergebnisse stammen ausschließlich aus einem unkontrollierten Design mit einer Fertigformulierung. Ein spezifischer Effekt von GHK-Cu lässt sich daraus nicht ableiten, da mehrere Wirkstoffe gleichzeitig sowie die reine Feuchtigkeitspflege- und Massagewirkung beitragen können.

Kernergebnisse

  1. Manchester Scar Scale: Verbesserung um 7,2 % an Tag 21 und 26,6 % an Tag 45 (Mittelwert 6,87 auf 5,03; p < 0,0001)
  2. Hautglattheit (Visioscan): +33,1 % an Tag 21, +44,6 % an Tag 45 (p < 0,0001)
  3. Schuppigkeit: -39,7 % an Tag 21, -58,9 % an Tag 45 (p < 0,0001)
  4. Rauheit: angegebene Reduktion von 100,9 % bzw. 161,6 % - Werte über 100 % sind mathematisch nicht schlüssig
  5. Keine lokalen oder systemischen unerwünschten Wirkungen; 30 von 32 Teilnehmerinnen beendeten die 45-tägige Anwendung
Limitationen

Einarmiges, offenes Design ohne Placebo-, Vehikel- oder Vergleichsgruppe, dadurch kein Schutz vor Placebo-, Erwartungs- und Regressionseffekten; sehr kleine Stichprobe (n=32) ausschließlich weiblicher, asiatischer Teilnehmerinnen mit Aknenarben; nur 45 Tage Beobachtungsdauer ohne Aussage zur Langzeitwirkung; keine Kontrolle von Umwelt-, Ernährungs- und Hormonfaktoren. GHK-Cu wurde nur als Bestandteil einer Mehrstoffformulierung und ohne Konzentrationsangabe getestet, ein Einzelwirkstoffeffekt ist nicht isolierbar. Die berichtete Rauheitsreduktion von über 100 % wirft Fragen zur statistischen Aufbereitung auf. Obwohl keine Finanzierung angegeben wird, sind Autoren bei NovoBliss Research bzw. Anveya Living Private Limited (dem Hersteller) beschäftigt - ein relevanter Interessenkonflikt. Publikation in Cureus, einem Journal mit sehr niedrigschwelliger Begutachtung.

Was heißt das praktisch

Die Studie liefert schwache, nur hypothesengenerierende Hinweise darauf, dass ein GHK-Cu-haltiges topisches Produkt das Erscheinungsbild von Aknenarben und die Hauttextur innerhalb von sechs Wochen verbessern kann, bei guter Verträglichkeit. Als Beleg für eine spezifische Wirksamkeit von GHK-Cu taugt sie wegen fehlender Kontrollgruppe, Mehrstoffformulierung und Herstellernähe der Autoren nicht.