Übersicht/Retatrutid/Studie

Studie · Humanstudie (RCT)

Wirksamkeit und Sicherheit von Retatrutid, einem GIP-, GLP-1- und Glukagon-Rezeptoragonisten, bei Menschen mit Typ-2-Diabetes und unzureichender Blutzuckerkontrolle unter Diät und Bewegung (TRANSCEND-T2D-1): eine doppelblinde, randomisierte Phase-3-Studie

Efficacy and safety of retatrutide, a GIP, GLP-1, and glucagon receptor agonist, in people with type 2 diabetes and inadequate glycaemic control with diet and exercise (TRANSCEND-T2D-1): a double-blind, randomised, phase 3 trial

Humanstudie (RCT)

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Autoren
Bajaj HS, Welch M, Shah P, et al.
Jahr
2026
Journal
The Lancet
Modell / Stichprobe
n=537 Erwachsene (>=18 Jahre) mit Typ-2-Diabetes, HbA1c 7,0-9,5 %, BMI >=23 kg/m2, bisher nur mit Diät und Bewegung behandelt; 48 Studienzentren in den USA, Mexiko und Indien
Dosis im Versuch
Retatrutid 4 mg, 9 mg oder 12 mg einmal wöchentlich subkutan (mit Dosiseskalation) gegen Placebo, Randomisierung 1:1:1:1, Behandlungsdauer 40 Wochen
Quelle
PMID 42250575 ↗  ·  DOI ↗

Zusammenfassung

Die TRANSCEND-T2D-1-Studie ist eine doppelblinde, placebokontrollierte Phase-3-Studie zur Monotherapie mit Retatrutid, einem dreifachen Rezeptoragonisten an GIP-, GLP-1- und Glukagon-Rezeptoren. Eingeschlossen wurden 537 Erwachsene mit Typ-2-Diabetes, deren Blutzucker allein mit Diät und Bewegung unzureichend kontrolliert war. Sie erhielten über 40 Wochen einmal wöchentlich subkutan Retatrutid in einer der drei Zieldosen 4 mg, 9 mg oder 12 mg oder Placebo. Primärer Endpunkt war die Veränderung des HbA1c, wichtige sekundäre Endpunkte umfassten die Körpergewichtsveränderung und die Sicherheit.

Alle drei Dosierungen senkten den HbA1c deutlich stärker als Placebo: -1,69 % (4 mg), -1,86 % (9 mg) und -1,94 % (12 mg) gegenüber -0,81 % unter Placebo, was Behandlungsdifferenzen von etwa -0,88 bis -1,12 Prozentpunkten entspricht (jeweils p<0,0001). Das Körpergewicht sank dosisabhängig um 11,5 %, 13,9 % bzw. 15,3 % gegenüber 2,6 % unter Placebo. Der Zuwachs zwischen 9 mg und 12 mg fiel beim HbA1c gering aus, während die Gewichtsabnahme weiter zunahm.

Die häufigsten unerwünschten Ereignisse waren leichte bis mäßige gastrointestinale Beschwerden (Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Obstipation). Abbrüche wegen Nebenwirkungen traten bei 2-5 % unter Retatrutid gegenüber 0 % unter Placebo auf. Schwere Hypoglykämien wurden nicht beobachtet; zwei Todesfälle in der 4-mg-Gruppe wurden als nicht behandlungsbezogen eingestuft.

Kernergebnisse

  1. HbA1c-Senkung nach 40 Wochen: -1,69 % (4 mg), -1,86 % (9 mg), -1,94 % (12 mg) versus -0,81 % unter Placebo; Differenz zu Placebo -0,88 bis -1,12 Prozentpunkte, alle p<0,0001
  2. Körpergewichtsreduktion dosisabhängig: -11,5 % (4 mg), -13,9 % (9 mg), -15,3 % (12 mg) versus -2,6 % unter Placebo
  3. Der zusätzliche Nutzen von 12 mg gegenüber 9 mg war beim HbA1c klein (-1,94 % vs. -1,86 %), beim Gewicht dagegen deutlicher
  4. Häufigste Nebenwirkungen waren leichte bis mäßige gastrointestinale Ereignisse; Therapieabbrüche wegen Nebenwirkungen bei 2-5 % unter Retatrutid versus 0 % unter Placebo
  5. Keine schweren Hypoglykämien; zwei Todesfälle in der 4-mg-Gruppe wurden als nicht mit der Studienmedikation zusammenhängend bewertet
Limitationen

Die Studiendauer von 40 Wochen ist kurz; Aussagen zur langfristigen Wirksamkeit, zur Gewichtsstabilität nach Absetzen sowie zu kardiovaskulären Endpunkten sind daraus nicht ableitbar. Untersucht wurde eine selektierte Population mit relativ früher, unbehandelter Typ-2-Diabetes-Erkrankung (HbA1c 7,0-9,5 %, keine Vormedikation), sodass die Ergebnisse nicht ohne Weiteres auf Patienten mit langjährigem Diabetes, Insulintherapie oder Komorbiditäten übertragbar sind. Es gab keinen aktiven Vergleichsarm (z. B. Semaglutid oder Tirzepatid), nur Placebo, was die Einordnung gegenüber etablierten Therapien erschwert. Die Studie wurde von Eli Lilly and Company, dem Hersteller von Retatrutid, finanziert; mehrere Autoren sind Firmenangehörige, was einen relevanten Interessenkonflikt darstellt.

Was heißt das praktisch

Die Daten belegen für Retatrutid in der Monotherapie bei Typ-2-Diabetes eine starke Blutzucker- und Gewichtswirkung mit dosisabhängiger Zunahme der Gewichtsabnahme, aber auch dosisabhängigen gastrointestinalen Nebenwirkungen. Wer eine Anwendung erwägt, sollte berücksichtigen, dass es sich um eine kurze, herstellerfinanzierte Zulassungsstudie ohne aktiven Vergleichsarm handelt und Langzeitsicherheit sowie Verhalten nach Absetzen bislang ungeklärt sind.