Übersicht/Epithalon/Studie

Studie · Tierstudie

Das Zirbeldrüsen-Peptidpräparat Epithalamin verlängert die Lebensspanne von Fruchtfliegen, Mäusen und Ratten

Pineal peptide preparation epithalamin increases the lifespan of fruit flies, mice and rats

Tierstudie

Nur Tiermodell — nicht auf den Menschen übertragbar

Autoren
V N Anisimov, S V Mylnikov, V K Khavinson
Jahr
1998
Journal
Mechanisms of Ageing and Development 103(2):123-32
Modell / Stichprobe
Vier Tiermodelle: weibliche Drosophila melanogaster (Fruchtfliegen), SHR-Mäuse, C3H/Sn-Mäuse und LIO-Ratten. Genaue Gruppengrößen sind dem Abstract nicht zu entnehmen.
Dosis im Versuch
Behandlung mit dem Zirbeldrüsen-Peptidextrakt Epithalamin (bovines Peptidgemisch). Dosis, Applikationsweg und Behandlungsschema sind im öffentlich zugänglichen Abstract nicht angegeben; in den Arbeiten dieser Gruppe wurde Epithalamin typischerweise über die Lebensspanne hinweg in monatlichen Kursen subkutan injiziert bzw. bei Drosophila dem Futtermedium zugesetzt. Beobachtungsdauer: gesamte Lebensspanne der Tiere.
Quelle
PMID 9701766 ↗  ·  DOI ↗

Zusammenfassung

Die Arbeit von Anisimov, Mylnikow und Chawinson fasst Lebensspannen-Experimente mit dem Zirbeldrüsen-Peptidpräparat Epithalamin in vier Tiermodellen zusammen: weibliche Fruchtfliegen (D. melanogaster), SHR-Mäuse, C3H/Sn-Mäuse und LIO-Ratten. Primäre Endpunkte waren mittlere und maximale Lebensspanne, die Zeit bis zu 90 % Mortalität, die Mortalitätsrate sowie die Verdopplungszeit der Mortalitätsrate (MRDT, ein Gompertz-Parameter für die Alterungsgeschwindigkeit). Zusätzlich wurden Melatoninsynthese und -sekretion sowie Marker freier Radikale untersucht.

Über alle vier Modelle hinweg stieg die mittlere Lebensspanne um 11-31 % (P < 0,05). Maximale Lebensspanne und 90-%-Mortalitätszeitpunkt nahmen bei Fliegen, C3H/Sn-Mäusen und Ratten zu, nicht jedoch bei SHR-Mäusen. Die Mortalitätsrate sank bei Drosophila und Ratten um jeweils 52 % und bei C3H/Sn-Mäusen um 27 %; bei SHR-Mäusen blieb sie unverändert - ein klar benanntes Nullergebnis in einem der vier Modelle. Die MRDT verlängerte sich bei Fliegen, C3H/Sn-Mäusen und Ratten, was von den Autoren als verlangsamte Alterung interpretiert wird.

Als Mechanismus schlagen die Autoren eine gesteigerte Melatoninsynthese und -sekretion bei Ratten sowie eine Hemmung freiradikalischer Prozesse bei Ratten und Fruchtfliegen vor; die antioxidative Wirkung soll die Lebensverlängerung erklären. Wichtig für die Einordnung: Epithalamin ist ein aus Rinderzirbeldrüsen gewonnener Peptid-Extrakt, nicht das synthetische Tetrapeptid Epithalon (Ala-Glu-Asp-Gly), das später aus diesem Extrakt abgeleitet wurde. Die Ergebnisse sind daher nur indirekt auf Epithalon übertragbar.

Kernergebnisse

  1. Mittlere Lebensspanne bei weiblichen D. melanogaster, SHR-Mäusen, C3H/Sn-Mäusen und LIO-Ratten um 11-31 % erhöht (P < 0,05).
  2. Maximale Lebensspanne und Zeitpunkt der 90-%-Mortalität nur bei Fruchtfliegen, C3H/Sn-Mäusen und Ratten erhöht - nicht bei SHR-Mäusen.
  3. Mortalitätsrate um 52 % gesenkt bei D. melanogaster und bei Ratten, um 27 % bei C3H/Sn-Mäusen; bei SHR-Mäusen keine Veränderung.
  4. MRDT (Verdopplungszeit der Mortalitätsrate) bei Fliegen, C3H/Sn-Mäusen und Ratten verlängert.
  5. Epithalamin steigerte Melatoninsynthese und -sekretion bei Ratten und hemmte freiradikalische Prozesse bei Ratten und Fruchtfliegen.
Limitationen

Reine Tierstudie aus dem Jahr 1998 von der Forschergruppe, die Epithalamin selbst entwickelt hat (St. Petersburger Institut für Bioregulation und Gerontologie, Chawinson) - unabhängige Replikation dieser Lebensspannen-Effekte außerhalb dieser Gruppe fehlt weitgehend. Der Abstract nennt weder Gruppengrößen noch Dosis, Applikationsweg oder Behandlungsschema, was die Bewertung und Reproduzierbarkeit erschwert; Verblindung und Randomisierung sind nicht beschrieben. Die Wirkung war nicht konsistent: Bei SHR-Mäusen zeigte sich kein Effekt auf Mortalitätsrate und Maximallebensspanne. Nagerlebensspannen-Studien sind zudem stark durch Haltungsbedingungen, Futteraufnahme und Krankheitslast der jeweiligen Kolonie beeinflusst, und Ergebnisse aus Fruchtfliegen und Kurzlebensspannen-Nagerstämmen lassen sich nicht auf den Menschen übertragen. Epithalamin ist ein tierischer Rohextrakt mit undefinierter Zusammensetzung, nicht das synthetische Peptid Epithalon.

Was heißt das praktisch

Diese Studie ist eine der historischen Grundlagen für den Ruf von Epithalon als 'Langlebigkeitspeptid' - untersucht wurde jedoch der Rinder-Rohextrakt Epithalamin, nicht Epithalon selbst, und zwar in Fliegen und Nagern. Wer über Epithalon nachdenkt, sollte sie als Hinweis auf eine Hypothese lesen, nicht als Beleg für lebensverlängernde Wirkung beim Menschen; belastbare Humandaten mit harten Endpunkten fehlen bis heute.