Studie · Tierstudie
Ipamorelin, the first selective growth hormone secretagogue
Nur Tiermodell — nicht auf den Menschen übertragbar
Zusammenfassung
Die Arbeit beschreibt die Erstcharakterisierung von Ipamorelin, einem synthetischen Pentapeptid aus der Klasse der Wachstumshormon-Sekretagoga (GHRP-Rezeptor-Agonisten, heute Ghrelin-Rezeptor/GHS-R1a). Untersucht wurde, ob die Substanz Wachstumshormon (GH) freisetzt und ob sie dabei – anders als ältere Peptide wie GHRP-6 oder GHRP-2 – die Hypophysen-Nebennieren-Achse unbeeinflusst lässt. Verwendet wurden drei Modelle: isolierte primäre Rattenhypophysenzellen, narkotisierte Ratten und wache Schweine.
In vitro setzte Ipamorelin GH aus Rattenhypophysenzellen mit einer Potenz und Wirkstärke frei, die GHRP-6 vergleichbar war (EC50 1,3 ± 0,4 nmol/l, Emax 85 ± 5 % gegenüber 2,2 ± 0,3 nmol/l und 100 %). In narkotisierten Ratten lag die ED50 bei 80 ± 42 nmol/kg (Emax 1545 ± 250 ng GH/ml) gegenüber 115 ± 36 nmol/kg für GHRP-6. Im wachen Schwein war Ipamorelin mit einer ED50 von 2,3 ± 0,03 nmol/kg (Emax 65 ± 0,2 ng GH/ml) ebenfalls praktisch gleichwertig zu GHRP-6 (ED50 3,9 ± 1,4 nmol/kg). Die Wirkung wurde über den GHRP-Rezeptor vermittelt, nicht über den GHRH-Rezeptor.
Der eigentliche Befund der Arbeit ist die Selektivität: Während die Vergleichs-Sekretagoga ACTH und Cortisol messbar anhoben, blieben diese Hormone unter Ipamorelin auch bei stark überhöhten Dosen auf einem Niveau, das sich nicht signifikant von der GHRH-Stimulation unterschied. Die Autoren schlussfolgern, dass Ipamorelin der erste GHRP-Rezeptor-Agonist mit einer GH-Selektivität auf GHRH-Niveau ist und sich damit für eine klinische Entwicklung eignen könnte.
Kernergebnisse
Es handelt sich um eine reine präklinische Charakterisierungsstudie ohne Menschen. Gemessen wurden ausschließlich akute Hormonspitzen nach Einzelgabe – es gibt keine Daten zu wiederholter oder mehrwöchiger Anwendung, zu Tachyphylaxie, zu IGF-1-Verlauf oder zu klinischen Endpunkten wie Körperzusammensetzung, Muskelkraft, Schlaf oder Regeneration. Ebenso fehlen Sicherheitsdaten zu Glukosestoffwechsel und Insulinsensitivität über die Zeit. Die verwendeten Dosen sind in nmol/kg i.v. angegeben und lassen sich nicht direkt in die im Freizeitgebrauch üblichen fixen Mikrogramm-Dosen subkutan übersetzen. Die Substanz wurde von Novo Nordisk entwickelt, die Autoren sind dem Unternehmen zuzuordnen – ein relevanter Interessenkonflikt. Bemerkenswert ist zudem, dass Ipamorelin trotz dieser Ergebnisse nie zur Marktzulassung gebracht wurde; die klinische Entwicklung (u.a. bei postoperativem Ileus) wurde später eingestellt.
Die Studie belegt sauber, dass Ipamorelin akut GH freisetzt, ohne relevant Cortisol oder ACTH anzuheben – das ist die eigentliche Grundlage für seine Beliebtheit in Kombination mit CJC-1295. Sie sagt jedoch nichts darüber aus, ob daraus beim Menschen über Wochen tatsächlich ein Nutzen für Körperzusammensetzung, Regeneration oder Schlaf entsteht, und liefert keinerlei Langzeit-Sicherheitsdaten.