Übersicht/CJC-1295 (ohne DAC) + Ipamorelin/Studie

Studie · Tierstudie

Ipamorelin, das erste selektive Wachstumshormon-Sekretagogum

Ipamorelin, the first selective growth hormone secretagogue

Tierstudie

Nur Tiermodell — nicht auf den Menschen übertragbar

Autoren
Raun K, Hansen BS, Johansen NL, Thøgersen H, Madsen K, Ankersen M, et al.
Jahr
1998
Journal
European Journal of Endocrinology 139(5):552-561
Modell / Stichprobe
Präklinische Kombination aus In-vitro- und Tierversuchen: primäre Rattenhypophysenzellen (Zellkultur), pentobarbital-anästhesierte Ratten sowie wache Schweine; Vergleichssubstanzen GHRP-6, GHRP-2 und GHRH
Dosis im Versuch
Ipamorelin als Bolus in Dosis-Wirkungs-Reihen; Ratten (i.v., anästhesiert) ED50 ca. 80 nmol/kg, wache Schweine (i.v.) ED50 ca. 2,3 nmol/kg; Selektivitätsprüfung auf ACTH/Cortisol mit deutlich überhöhten Dosen. Reine Akutgabe, keine Langzeit- oder Mehrwochen-Applikation.
Quelle
PMID 9849822 ↗  ·  DOI ↗

Zusammenfassung

Die Arbeit beschreibt die Erstcharakterisierung von Ipamorelin, einem synthetischen Pentapeptid aus der Klasse der Wachstumshormon-Sekretagoga (GHRP-Rezeptor-Agonisten, heute Ghrelin-Rezeptor/GHS-R1a). Untersucht wurde, ob die Substanz Wachstumshormon (GH) freisetzt und ob sie dabei – anders als ältere Peptide wie GHRP-6 oder GHRP-2 – die Hypophysen-Nebennieren-Achse unbeeinflusst lässt. Verwendet wurden drei Modelle: isolierte primäre Rattenhypophysenzellen, narkotisierte Ratten und wache Schweine.

In vitro setzte Ipamorelin GH aus Rattenhypophysenzellen mit einer Potenz und Wirkstärke frei, die GHRP-6 vergleichbar war (EC50 1,3 ± 0,4 nmol/l, Emax 85 ± 5 % gegenüber 2,2 ± 0,3 nmol/l und 100 %). In narkotisierten Ratten lag die ED50 bei 80 ± 42 nmol/kg (Emax 1545 ± 250 ng GH/ml) gegenüber 115 ± 36 nmol/kg für GHRP-6. Im wachen Schwein war Ipamorelin mit einer ED50 von 2,3 ± 0,03 nmol/kg (Emax 65 ± 0,2 ng GH/ml) ebenfalls praktisch gleichwertig zu GHRP-6 (ED50 3,9 ± 1,4 nmol/kg). Die Wirkung wurde über den GHRP-Rezeptor vermittelt, nicht über den GHRH-Rezeptor.

Der eigentliche Befund der Arbeit ist die Selektivität: Während die Vergleichs-Sekretagoga ACTH und Cortisol messbar anhoben, blieben diese Hormone unter Ipamorelin auch bei stark überhöhten Dosen auf einem Niveau, das sich nicht signifikant von der GHRH-Stimulation unterschied. Die Autoren schlussfolgern, dass Ipamorelin der erste GHRP-Rezeptor-Agonist mit einer GH-Selektivität auf GHRH-Niveau ist und sich damit für eine klinische Entwicklung eignen könnte.

Kernergebnisse

  1. In vitro setzte Ipamorelin GH aus primären Rattenhypophysenzellen etwa gleich potent frei wie GHRP-6 (EC50 1,3 ± 0,4 nmol/l vs. 2,2 ± 0,3 nmol/l; Emax 85 ± 5 % vs. 100 %).
  2. In pentobarbital-narkotisierten Ratten betrug die ED50 80 ± 42 nmol/kg bei einem Emax von 1545 ± 250 ng GH/ml (GHRP-6: 115 ± 36 nmol/kg, 1167 ng/ml).
  3. Im wachen Schwein lag die ED50 bei 2,3 ± 0,03 nmol/kg mit Emax 65 ± 0,2 ng GH/ml, vergleichbar mit GHRP-6 (3,9 ± 1,4 nmol/kg, 74 ± 7 ng/ml).
  4. Ipamorelin steigerte ACTH und Cortisol auch bei sehr hohen Dosen nicht signifikant stärker als GHRH – im Gegensatz zu den anderen getesteten GH-Sekretagoga.
  5. Die GH-Freisetzung erfolgte über den GHRP-/Ghrelin-Rezeptor und nicht über den GHRH-Rezeptor; Ipamorelin ist damit als selektives Sekretagogum charakterisiert.
Limitationen

Es handelt sich um eine reine präklinische Charakterisierungsstudie ohne Menschen. Gemessen wurden ausschließlich akute Hormonspitzen nach Einzelgabe – es gibt keine Daten zu wiederholter oder mehrwöchiger Anwendung, zu Tachyphylaxie, zu IGF-1-Verlauf oder zu klinischen Endpunkten wie Körperzusammensetzung, Muskelkraft, Schlaf oder Regeneration. Ebenso fehlen Sicherheitsdaten zu Glukosestoffwechsel und Insulinsensitivität über die Zeit. Die verwendeten Dosen sind in nmol/kg i.v. angegeben und lassen sich nicht direkt in die im Freizeitgebrauch üblichen fixen Mikrogramm-Dosen subkutan übersetzen. Die Substanz wurde von Novo Nordisk entwickelt, die Autoren sind dem Unternehmen zuzuordnen – ein relevanter Interessenkonflikt. Bemerkenswert ist zudem, dass Ipamorelin trotz dieser Ergebnisse nie zur Marktzulassung gebracht wurde; die klinische Entwicklung (u.a. bei postoperativem Ileus) wurde später eingestellt.

Was heißt das praktisch

Die Studie belegt sauber, dass Ipamorelin akut GH freisetzt, ohne relevant Cortisol oder ACTH anzuheben – das ist die eigentliche Grundlage für seine Beliebtheit in Kombination mit CJC-1295. Sie sagt jedoch nichts darüber aus, ob daraus beim Menschen über Wochen tatsächlich ein Nutzen für Körperzusammensetzung, Regeneration oder Schlaf entsteht, und liefert keinerlei Langzeit-Sicherheitsdaten.