Übersicht/DSIP/Studie

Studie · Humanstudie (RCT)

Wirkung des Delta-Schlaf-induzierenden Peptids auf den Schlaf chronischer Insomnie-Patienten. Eine Doppelblindstudie

Effects of delta sleep-inducing peptide on sleep of chronic insomniac patients. A double-blind study

Humanstudie (RCT)

Stärkste Evidenzstufe hier

Autoren
Bes F, Hofman W, Schuur J, Van Boxtel C
Jahr
1992
Journal
Neuropsychobiology 26(4):193-197
Modell / Stichprobe
n=16 Patienten mit chronischer Insomnie, doppelblindes Parallelgruppen-Design mit gematchten Paaren (8 DSIP, 8 Placebo), Schlaflabor
Dosis im Versuch
25 nmol/kg Körpergewicht DSIP intravenös, jeweils vor den Nächten 3, 4 und 5 (drei aufeinanderfolgende Applikationen); insgesamt fünf Labornächte (Nacht 1 Adaptation, Nacht 2 Baseline)
Quelle
PMID 1299794 ↗  ·  DOI ↗

Zusammenfassung

Die Studie untersuchte in einem doppelblinden Design mit gematchten Paaren, ob Delta-Schlaf-induzierendes Peptid (DSIP) den Schlaf von 16 Patienten mit chronischer Insomnie verbessert. Alle Teilnehmer verbrachten fünf aufeinanderfolgende Nächte im Schlaflabor: Nacht 1 diente der Eingewöhnung, Nacht 2 der Erhebung der Ausgangswerte. Vor den Nächten 3 bis 5 erhielt die eine Hälfte der Stichprobe 25 nmol/kg DSIP intravenös, die andere Hälfte Placebo. Erfasst wurden objektive polysomnographische Schlafparameter sowie subjektive Einschätzungen von Schlafqualität und Müdigkeit.

Bei den objektiven Parametern zeigte die DSIP-Gruppe im Vergleich zu Placebo eine höhere Schlafeffizienz und eine kürzere Einschlaflatenz. Zusätzlich sank ein einzelnes subjektives Müdigkeitsmaß in der DSIP-Gruppe. Die Autoren stufen diese Effekte jedoch ausdrücklich als schwach ein und weisen darauf hin, dass sie teilweise auf eine zufällige Veränderung in der Placebogruppe zurückgehen könnten. Die übrigen Endpunkte, insbesondere die subjektive Schlafqualität, zeigten keine Verbesserung.

Die Autoren schlussfolgern, dass eine kurzfristige DSIP-Behandlung bei chronischer Insomnie nur einen begrenzten therapeutischen Wert besitzt. Die Studie ist damit im Kern ein weitgehend negatives Ergebnis mit einzelnen, statistisch schwachen Signalen zugunsten von DSIP.

Kernergebnisse

  1. 16 chronische Insomnie-Patienten, doppelblind in gematchten Paaren auf DSIP (25 nmol/kg i.v.) oder Placebo verteilt, drei Behandlungsnächte nach einer Adaptations- und einer Baselinenacht
  2. Objektiv höhere Schlafeffizienz unter DSIP gegenüber Placebo
  3. Objektiv kürzere Einschlaflatenz unter DSIP gegenüber Placebo
  4. Ein subjektives Maß für Müdigkeit war unter DSIP reduziert; die subjektive Schlafqualität verbesserte sich dagegen nicht
  5. Die Autoren bewerten die signifikanten Effekte als schwach und teilweise möglicherweise durch eine zufällige Veränderung in der Placebogruppe bedingt; Fazit: begrenzter therapeutischer Wert einer kurzfristigen DSIP-Behandlung
Limitationen

Sehr kleine Stichprobe (n=16, also etwa 8 pro Arm) mit entsprechend geringer statistischer Aussagekraft und hoher Anfälligkeit für Zufallsbefunde; das Parallelgruppen-Design mit gematchten Paaren statt eines Cross-over-Designs verstärkt dieses Problem, und die Autoren selbst führen die Effekte teilweise auf eine zufällige Veränderung in der Placebogruppe zurück. Die Behandlungsdauer betrug nur drei Nächte, sodass weder Langzeitwirkung noch Sicherheit beurteilbar sind. Die Applikation erfolgte intravenös, was nicht auf andere Anwendungswege übertragbar ist. Die Diskrepanz zwischen leicht verbesserten objektiven Parametern und unveränderter subjektiver Schlafqualität schränkt die klinische Bedeutsamkeit weiter ein. Angaben zu Finanzierung oder Interessenkonflikten sind dem Abstract nicht zu entnehmen; die Studie stammt aus dem Jahr 1992 und wurde seither nicht durch größere Studien bestätigt.

Was heißt das praktisch

Dies ist eine der wenigen kontrollierten Humanstudien zu DSIP bei Schlafstörungen, und ihr Ergebnis ist überwiegend ernüchternd: minimale objektive Effekte ohne spürbare Verbesserung der subjektiven Schlafqualität. Wer DSIP als Schlafmittel erwägt, sollte wissen, dass die klinische Evidenz dünn, die Effektstärke klein und die getestete Anwendung intravenös und auf nur drei Nächte begrenzt war.