Substanz-Dossier
01 — Protokoll
DSIP ist ein 1977 aus Kaninchenhirn isoliertes Nonapeptid, dem eine schlafanstoßende und stressdämpfende Wirkung sowie eine Linderung von Entzugssymptomen und chronischem Schmerz zugeschrieben wird. Die schlaffördernde Wirkung ist in der Fachliteratur ausdrücklich umstritten: mehrere Humanstudien konnten sie nicht reproduzieren.
DSIP ist nirgends als Arzneimittel zugelassen; die Wirksamkeit - insbesondere die schlaffördernde - gilt in der Literatur als umstritten und wurde nie belastbar bestätigt. Sicherheitsdaten über wenige Tage hinaus fehlen völlig, Reinheit und Sterilität grauer Ware sind unkontrolliert, und die Selbstbehandlung einer Insomnie kann eine abklärungsbedürftige Grunderkrankung (z. B. Schlafapnoe, Depression) verschleiern.
Das Protokoll mischt zwei Quellen: die Dosisangaben stammen aus der Community-Praxis (100-300 mcg s.c. abends), während die vorhandenen Humanstudien der 1980er Jahre fast ausschließlich i.v.-Infusionen von ca. 25 nmol/kg (rund 1,5-2 mg) bei sehr kleinen, methodisch schwachen Kollektiven zu Insomnie, Opiat- und Alkoholentzug sowie chronischem Schmerz einsetzten. Eine etablierte oder zugelassene Dosis existiert nicht, moderne Replikationen fehlen.
Die Insulineinheiten sind aus Vialgröße, Rekonstitutionsmenge und Dosis berechnet (U-100: 100 IE = 1 ml) — prüf sie gegen dein tatsächliches Vial.
Studien nutzten meist 25 nmol/kg als i.v.-Infusion (ca. 1,5-2 mg bei 70 kg) - deutlich mehr als die community-übliche s.c.-Dosis
Erwarteter Wirkeintritt (Erfahrungswerte)
30-120 minBerichtet werden Wärmegefühl, Müdigkeit und leichteres Einschlafen; ebenso häufig wird gar kein spürbarer Effekt beschrieben. Kontrollierte Studien fanden keine konsistente Verkürzung der Einschlaflatenz. Nacht 1-5Subjektiv ruhigerer, weniger fragmentierter Schlaf und in Studien teils verbesserte Schlafeffizienz bei chronischen Insomnikern; objektive Polysomnografie-Befunde blieben inkonsistent. Bei manchen Anwendern tritt stattdessen paradoxe Wachheit oder unruhiger Schlaf auf. Woche 2-4Community-Berichte beschreiben teils anhaltende Schlafverbesserung, teils deutlichen Wirkverlust. In den älteren Studien wurden Nachwirkungen über einige Tage nach Absetzen beschrieben; belastbare Langzeitdaten fehlen vollständig.02 — Evidenz aus der Literatur
DSIP (Delta Sleep-Inducing Peptide, Trp-Ala-Gly-Gly-Asp-Ala-Ser-Gly-Glu) wurde 1977 von Schönenberger und Monnier aus dem Blut schlafinduzierter Kaninchen isoliert und als Nonapeptid charakterisiert. Die Gesamtliteratur ist mit mehreren hundert Publikationen auf den ersten Blick umfangreich, besteht aber ganz überwiegend aus präklinischen Arbeiten, Immunhistochemie, Radioimmunoassay-Studien und Analogforschung. Die Humanliteratur ist demgegenüber klein, alt und methodisch schwach: Es handelt sich fast durchweg um Studien der 1980er Jahre mit einstelligen bis niedrig zweistelligen Fallzahlen, häufig ohne Kontrollgruppe, oft aus derselben Basler Arbeitsgruppe um Schönenberger und Schneider-Helmert, die auch die Substanz entdeckt hatte. Eine moderne Replikation gibt es praktisch nicht, und in ClinicalTrials.gov ist keine DSIP-Studie registriert.
Die schlaffördernde Wirkung – der Namensgeber der Substanz – ist in der Literatur ausdrücklich umstritten. Die frühen positiven Berichte von Schneider-Helmert (u.a. Lancet 1981; Experientia 1981, n=6; Eur Neurol 1986, n=18) stehen unabhängigen Untersuchungen gegenüber, die den Effekt nicht bestätigen konnten: Monti et al. 1987 fanden in einer doppelblinden Cross-over-Studie nur marginale Veränderungen und werteten die Schlafverbesserung als „von geringer klinischer Bedeutung"; Bes et al. 1992 schlossen aus einer doppelblinden Parallelgruppenstudie an 16 chronischen Insomnikern, dass eine Kurzzeitbehandlung mit DSIP „wahrscheinlich keinen wesentlichen therapeutischen Nutzen" habe, insbesondere ohne Verbesserung der subjektiven Schlafqualität. Das Review von Kovalzon und Strekalova (J Neurochem 2006) fasst die Lage am schärfsten zusammen: Die Hypothese, DSIP sei ein Schlaffaktor, sei „äußerst schlecht dokumentiert und weiterhin schwach"; schlaffördernde Effekte im Tierversuch zeigten eher künstliche Strukturanaloga als DSIP selbst. Eine 2009 publizierte randomisierte Anästhesie-Studie (Pomfrett et al., n=24) fand sogar paradox eine Verringerung der Delta-Aktivität und eine Aufhellung der Narkose.
Zu den weiteren beanspruchten Anwendungsgebieten ist die Evidenz noch dünner. Für Alkohol- und Opiatentzug existiert im Wesentlichen eine offene, unkontrollierte Beobachtungsserie von Dick et al. 1984 an 107 stationären Patienten mit sehr hohen berichteten Ansprechraten – ohne Placebokontrolle und ohne Verblindung, was bei einem stark erwartungs- und verlaufsabhängigen Endpunkt wie Entzugssymptomatik kaum interpretierbar ist. Später folgten eine Kasuistik (Soyka & Rothenhäusler 1997) und eine offene Studie (Backmund et al. 1998); randomisierte Bestätigung fehlt bis heute. Für chronischen Schmerz liegt eine Pilotstudie an 7 Patienten vor (Larbig et al. 1984). Gesichert ist somit im Grunde nur die biochemische Charakterisierung des Peptids sowie seine Nachweisbarkeit in Plasma, Liquor und Geweben; alles Klinische ist Extrapolation aus kleinen, unkontrollierten oder widersprüchlichen Datensätzen. Wirkmechanismus, Dosis-Wirkungs-Beziehung (mehrfach als U-förmig beschrieben) und sogar die physiologische Funktion des Peptids sind bis heute offen.
Ein konsistenter, belegter Wirkmechanismus existiert nicht. DSIP ist ein Nonapeptid, das in Plasma, Liquor, Urin, Hypophyse, Hypothalamus, Darm und weiteren peripheren Geweben immunreaktiv nachweisbar ist und die Blut-Hirn- sowie die Blut-Liquor-Schranke über ein sättigbares Transportsystem passieren kann. Diskutierte und in Einzelbefunden gestützte Angriffspunkte sind eine Modulation der adrenergen Übertragung, eine Dämpfung der CRF-induzierten ACTH- und Kortikosteronfreisetzung, eine Beeinflussung der Freisetzung von LH und Wachstumshormon, eine Stimulation der Met-Enkephalin-Freisetzung im Hirnstamm (möglicher Bezug zu antinozizeptiven und Entzugseffekten), serotonerge Interaktionen sowie antioxidative und stressprotektive Effekte in Tiermodellen. Graf und Kastin hielten bereits 1986 fest, dass die physiologischen Funktionen von DSIP und ein möglicher Mechanismus über adrenerge Modulation „noch zu etablieren" seien – dieser Satz gilt weitgehend unverändert. Die sehr rasche enzymatische Degradation des Peptids in Plasma und Serum erschwert zudem die Zuordnung beobachteter Effekte zum intakten Molekül.
Ja, es gibt Humanstudien – aber fast ausschließlich aus den Jahren 1981 bis 1998, mit Fallzahlen zwischen 6 und 107, überwiegend offen oder mit sehr kleinen doppelblinden Designs, und mit widersprüchlichen Ergebnissen. Die methodisch beste moderne Humanstudie ist eine randomisierte Anästhesie-Untersuchung an 24 Patientinnen (Pomfrett et al. 2009), die einen paradoxen, gegen die Schlafhypothese sprechenden Befund lieferte; in ClinicalTrials.gov ist keine DSIP-Studie registriert.
Eine PubMed-Suche nach „delta sleep-inducing peptide" liefert in der Größenordnung von rund 500 Treffern, die Mehrzahl davon aus den 1980er und 1990er Jahren. Davon entfallen jedoch nur etwa 15 bis 20 Arbeiten auf klinische Untersuchungen am Menschen; der weitaus größte Teil sind Tierversuche, Analogstudien, Lokalisations- und Assay-Arbeiten.
Systematische Sicherheitsstudien zu DSIP existieren nicht; es gibt keine publizierte Toxikologie- oder Pharmakovigilanzliteratur von Relevanz. In den kleinen Altstudien wurde die Verträglichkeit intravenöser Gaben überwiegend als gut beschrieben, mit Kopfschmerzen als häufigster gemeldeter Nebenwirkung (Dick et al. 1984); belastbare Aussagen zu Langzeitsicherheit, Immunogenität oder Wirkungen in besonderen Populationen lassen sich daraus nicht ableiten. Klinisch relevant ist der Befund von Pomfrett et al. 2009, wonach DSIP als Zusatz zur Isofluran-Narkose die Herzfrequenz erhöhte, die Herzfrequenzvariabilität senkte und die Narkosetiefe verringerte statt vertiefte – ein Hinweis auf unerwartete kardiovaskuläre und zentralnervöse Effekte. DSIP ist in keiner Jurisdiktion als Arzneimittel zugelassen, hat nie ein FDA-Zulassungsverfahren durchlaufen und wird ausschließlich als Forschungschemikalie beziehungsweise auf dem grauen Markt vertrieben, wo Reinheit und Dosierung nicht kontrolliert sind; im Sport fallen nicht zugelassene Prüfsubstanzen dieser Art in der Regel unter die WADA-Kategorie S0, was Anwender selbst prüfen sollten.
Alle erfassten Studien — nach Evidenzstufe sortiert
03 — Evidenz aus der Community
Alles in diesem Abschnitt sind Erfahrungsberichte aus Foren — anekdotisch, ohne Kontrollgruppe, ohne Verblindung und mit starkem Selektions- und Placebo-Bias. Das ersetzt keine Studie, sondern zeigt nur, was Anwender berichten.
DSIP wird in der Anwender-Community fast ausschließlich als Schlafmittel diskutiert – und zwar nicht als Einschlafhilfe, sondern als etwas, das die Schlafqualität verändern soll. Der immer wiederkehrende Satz in Threads auf r/Peptides, r/sleephackers und r/Biohackers lautet sinngemäß: "Es macht dich nicht müde, aber der Schlaf, den du bekommst, fühlt sich erholsamer an." Berichtet werden vor allem weniger nächtliches Aufwachen, mehr Tiefschlaf laut Wearable (Fitbit, Oura, Whoop, Schlafscores) und ein weniger zäher Morgen. DSIP ist dabei ein altes Community-Thema: Threads reichen von 2020 (r/Peptides) über MESO-Rx und Professional Muscle bis zu Longevity-Foren; die Substanz gilt als billig, seit Jahrzehnten bekannt und nie kommerzialisiert.
Die Berichtslage ist ausgesprochen uneinheitlich und im Vergleich zu Semax, BPC-157 oder den GLP-1-Peptiden auch dünn. In fast jedem Thread stehen positive Berichte direkt neben Null-Respondern; Formulierungen wie "did nothing for me", "useless", "waste of money" tauchen genauso oft auf wie "Sleep is some of my best". Ein Nutzer auf r/Peptides beschrieb, DSIP habe bei ihm nur "eines von zehn Malen" gewirkt. Auf Professional Muscle steht ein Erfolgsbericht bei 1 mg vor dem Schlafen unmittelbar neben mehreren "hat gar nichts gemacht"-Antworten. Es gibt praktisch keine langen, sauber geführten Logs – die meisten Berichte umfassen wenige Nächte bis wenige Wochen, oft parallel zu anderen Peptiden (CJC-1295, Ipamorelin, GH, Epitalon, Selank) oder Supplements (Magnesiumglycinat, Glycin, Melatonin), was die Zuordnung zusätzlich erschwert.
Der Hype ist deutlich kleiner als bei anderen Peptiden – DSIP wird von Vendors zwar beworben, hat aber keine große Fan-Basis und wird in Community-Threads eher nüchtern bis skeptisch behandelt. Auffällig ist die große Diskrepanz zwischen den in Foren üblichen Mikrogramm-Dosen und den Milligramm-Dosen der wenigen alten Studien. Wer DSIP recherchiert, sollte davon ausgehen, dass die Datenlage sowohl wissenschaftlich als auch anekdotisch dünn ist und die Wahrscheinlichkeit, zu den Non-Respondern zu gehören, nach Community-Berichten hoch ist.
Am ehesten einigt sich die Community auf: 100–250 µg subkutan, etwa 30 Minuten bis 3 Stunden vor dem Schlafengehen, nicht jede Nacht, sondern 2–3 Mal pro Woche bzw. jeden zweiten Tag – mit der Begründung, Toleranz zu vermeiden und weil DSIP als "kumulativ" beschrieben wird. Viele beginnen niedrig (100 µg, teils nach dem in Foren häufig zitierten Protokoll aus Dr. William Seeds' "Peptide Protocols" mit 100 µg s.c. drei Stunden vor dem Schlafen) und titrieren nach oben, wenn nichts passiert. Ein wiederkehrender Hinweis ist die angeblich glockenförmige Dosis-Wirkungs-Kurve: Mehr sei nicht besser, mehrere Nutzer berichten, dass 250 µg der "sweet spot" war und 500 µg keinen Zusatznutzen brachte. Ein Trial von etwa einem Monat gilt vielen als fairer Test.
Berichtete Protokolle
Berichtete Wirkungen
Berichtete Nebenwirkungen
Praxis-Tipps aus der Community
Stimmen aus den Threads
Ich hatte Erfolg mit 1 mg vor dem Schlafengehen. Es ist aber etwas 'hit and miss'. Manche Bekannte schwören darauf.Professional Muscle ↗
Habe das Nasenspray und die Injektionen genommen. Hat bei mir gar nichts gemacht.r/Peptides ↗
Mein Schlafscore liegt mit DSIP im Schnitt bei 85, ohne bei 78.MESO-Rx ↗
Es hat mir dreimal Übelkeit gemacht – ich musste mich hinlegen, um nicht zu erbrechen. Und danach war der Schlaf trotzdem nicht besser.r/Peptides ↗
Nimm DSIP nicht öfter als 2 bis 3 Mal pro Woche. Es ist kumulativ.r/Peptides ↗
250 µg waren für mich der Sweet Spot – 500 µg haben nichts zusätzlich gebracht. Und es gibt keinen Hangover, DSIP hat eine kurze Halbwertszeit.r/Peptides ↗
Bei mir hat es den Schlaf gestört, also habe ich es abgesetzt.r/Peptides ↗
Nicht zuverlässig und das Geld nicht wert – bei mir hat es vielleicht eines von zehn Malen funktioniert.r/Peptides ↗
DSIP wird seit über 40 Jahren untersucht und trotzdem praktisch nie verschrieben.Age-Reversal Forum ↗
Die Skepsis gegenüber DSIP ist in der Community ungewöhnlich offen und kommt oft aus den eigenen Reihen. Wiederkehrende Argumente: Die Wirkung sei so subtil, dass sie sich von Placebo und normaler Nacht-zu-Nacht-Varianz nicht trennen lasse; fast alle Berichte laufen parallel zu anderen Peptiden, Supplements oder TRT, sodass die Zuordnung unmöglich ist; und die Rate der Non-Responder ist hoch – in mehreren Threads überwiegen die 'hat nichts gemacht'-Antworten die positiven. Auf MESO-Rx fiel das Urteil eines Nutzers, DSIP sei 'Geldverschwendung wie die meisten Peptide, Snake Oil', und nur wenige Substanzen wie Tirzepatid oder Tesamorelin seien es wert. In einem LongeCity-Thread zu einem DSIP-Analogon wurde die Substanz zwar theoretisch enthusiastisch besprochen, aber niemand hatte sie tatsächlich probiert – ein Muster, das für DSIP typisch ist: viel Theorie, wenig gelebte Erfahrung. Hinzu kommt, dass detaillierte Angaben zu Reinheit, Stabilität und Lagerung fast ausschließlich von Vendor-Websites und SEO-Seiten stammen, nicht aus Nutzerberichten – Drittanbieter-Analysen von DSIP-Chargen werden in den gesichteten Threads nicht diskutiert. Auch die Bandbreite der Ergebnisse mit derselben nominellen Dosis legt nahe, dass Produktqualität und tatsächlicher Peptidgehalt zwischen Quellen erheblich schwanken können.
Die auffälligste Abweichung ist die Dosis. Die wenigen alten klinischen Untersuchungen arbeiteten mit Größenordnungen von 25 nmol/kg mehrmals täglich beziehungsweise – in den Entzugsstudien der 1980er Jahre – mit 8–12 mg täglich intravenös. Die Community dosiert 100–500 µg subkutan einmal abends, also ein Bruchteil davon; ein r/Peptides-Nutzer rechnete den Unterschied selbst auf das 36- bis 48-fache hoch. Ebenso weicht der Applikationsweg ab: Die Studien nutzten intravenöse Gabe, die Praxis fast ausschließlich subkutan, teils intranasal – ein Weg, dessen Bioverfügbarkeit für DSIP in den Threads offen bestritten wird. Auch das Timing ist reine Community-Heuristik: 'drei Stunden vor dem Schlafengehen' stammt aus einem populären Praxisbuch, nicht aus kontrollierten Studien, und wird in Threads ebenso oft durch 15 Minuten, eine Stunde oder morgens ersetzt. Indikationen wie Opioid-, Alkohol- oder Kratom-Entzug, Libidosteigerung, LH-/Testosteronerhöhung oder allgemeine Regeneration werden anekdotisch weitergereicht, ohne dass die Community dafür belastbare Evidenz benennt. Schließlich gilt: Die als 'Erfolg' gewerteten Endpunkte sind fast immer Wearable-Schlafscores und subjektives Erholungsgefühl – keine Polysomnographie, wie sie in der Delta-Schlaf-Forschung eigentlich der Maßstab wäre.
Quellen